Jahrgang 2010
Kleinste Ernte seit Jahrzehnten.
Nach der ohnehin kleinen Erntemenge von 2009 waren kaum mehr Lagerreserven vorhanden. Umso eklatanter werden sich die Ernteausfälle, die in Niederösterreich auf rund 30 Prozent geschätzt werden, auf den in- und ausländischen Weinmarkt auswirken.
Aber alles der Reihe nach: Nach einem schier endlosen Winter folgte nahezu übergangslos ein erfreulich sonniger April. Damit hatte aber der Frühling schon sein Pulver verschossen, denn der nasskalte, quasi ohne Sonnentage auskommende Mai und der Juni, der Rekordniederschläge mit sich brachte, sind nicht wirklich als optimale Witterung zu bezeichnete Jahreszeit einzureihen gewesen. Dem kalten und regnerischen Blütewetter entsprechend, entwickelte sich im Allgemeinen ein recht bescheidener Fruchtansatz, wobei auch auf die durch den harten Winter zu verzeichnenden Frostschäden, nicht zu vergessen ist.
Der kurze Pseudosommer ereignete sich in drei brütend heißen, schwülen Juliwochen, die aber bald von einem wechselhaften, ja regnerischen August und September abgelöst wurden. Keine Rede vom Altweibersommer, denn auch im Oktober wechselten Nebelfelder und Regengüsse ab –, wenn es auch genügend Zeitfenster gab, um das Traubengut einigermaßen gesund einzubringen.
Auf der einen Seite hat die verzögerte Reife dazu geführt, dass erst gegen Ende Oktober und im November gelesen wurde; auf der anderen Seite hat das kühle Wetter vor der Haupternte dazu geführt, dass nahezu keine nennenswerten Botrytis-Infektionen aufgetreten sind, sodass sowohl der ohnehin in dieser Hinsicht anspruchslose Grüne Veltliner und der sowieso spät reifende Riesling überwiegend in gesundem Zustand gelesen werden konnten. Der wesentliche Faktor für die dann doch relativ erfreulichen Resultate waren allerdings der geringe Ansatz und die verrieselten Trauben, die per se für ein überraschend gesundes Lesegut gesorgt haben.
Markant sind allerdings die Säurewerte, die sich mit dem 1996er und 1980er, allenfalls auch mit 1984 und 1987 durchaus vergleichen lassen, sodass auch Topwinzer wieder die Lehrbücher zur Hand nehmen mussten, um eine entsprechende Entsäuerung einzuleiten. Nicht nötig sollte eine derartige Maßnahme für die meisten Veltliner sein, die etwa Kabinettreife und mehr erreicht haben, für Chardonnay oder Riesling ist’s allerdings generell nicht ohne Entsäuerungsmaßnahmen abgangen. Abgesehen von der rasanten Säure verfügen die Weine aber auch über einiges Rückgrat und vielfach über eine tiefe, sortenspezifische Frucht, welche die Einordnung von Herkunftsgebiet und Rebsorte relativ einfach machen dürfte.
Inwieweit sich in diesen zuckerfreier Extrakt mit Fruchttiefe und rassiger Säure vermählen lässt, wird die Zukunft zeigen.





